Praktikum in England

Von Mariyam Habibian (2012)

Suche

Ich begann relativ früh mit der Suche nach einem geeigneten Praktikums­platz. Nach kurzer Zeit musste ich leider feststellen, dass die Suche schwerer war als gedacht. Von vielen Unternehmen bekam ich keine Antwort, ich musste die Erfahrung machen, dass viele Unternehmen sich nicht mal die Mühe geben, abzusagen.

Nach ca. zwei Monaten bekam ich dann endlich eine Zusage von einem Über­setzungsbüro in Manchester und war umso glücklicher, als dieser Praktikums­platz auch noch genehmigt wurde. Die größte Hürde hatte ich somit schon überwunden und ich konnte mich voll und ganz auf die letzten Klausuren konzentrieren und meinen Umzug schon mal planen.

Unterkunft

Nach meiner Zusage erledigte sich die restliche Organisation und Planung fast von alleine. Ich hatte ein Riesen-Glück mit meinem Unternehmen, denn meine Chefin bot mir gleich eine Unterkunft bei einer Gastfamilie an. Sie ersparte mir die mühsame Wohnungs­suche und somit flog ich stressfrei nach Manchester.

Ankunft

Ende August war es dann so weit. Ich flog ein paar Tage vor dem offiziellen Beginn des Praktikums nach Manchester und wurde von meiner Chefin am Flughafen abgeholt. Sie fuhr mit mir kurz ins Büro, um mir den Arbeits­platz zu zeigen. Nachdem ich das Büro und meine Kollegen kennen gelernt hatte, brachte sie mich zu meiner Gastfamilie. Ich verstand mich auf Anhieb gut mit meiner Gastfamilie und wurde gleich am ersten Abend zum Essen ausgeführt.

Arbeiten in der Firma

Das Praktikum an sich hat mir eine Menge Spaß bereitet. Ich habe viel dazu gelernt und habe sowohl positive als auch negative Erfahrungen gesammelt. Ich habe dank des Praktikums meine Stärken und Schwächen besser kennen­gelernt, und abgesehen von der beruflichen Erfahrung und dem ganzen Wissen, welches ich sammeln konnte, kann ich sagen, dass ich mich auch persönlich weiter­entwickelt habe.

Im Büro kam ich schon nach den ersten paar Tagen sehr gut zurecht. Denn in der zweiten Woche hatte eine meiner Kolleginnen Urlaub und ich erhielt bereits meine eigenen kleinen Über­setzungsprojekte, die ich selbst managen musste. Das Projekt­management bereitete mir viel Spaß und ich merkte selbst, wie ich beim Organisieren und Managen der Projekte aufblühte. Natürlich gab es auch andere Tätig­keiten, die mir weniger Spaß bereiteten, doch auch diese konnte ich meistern und verbesserte mich Tag für Tag.

Allerdings muss ich sagen, dass mir anfangs die Sprache Angst bereitete, doch ich gewöhnte mich sehr schnell daran. Nach einer Zeit wird es normal und man bemerkt gar nicht, dass man in einer anderen Sprache kommuniziert.

Ich habe die Arbeit genossen und weiß jetzt, wieso ich diesen Studien­gang ausgewählt habe und vor allem in welche Richtung ich nach meinem Abschluss gehen möchte.

Alltag und Freizeit

In der Woche unternahm ich wirklich nicht viel, denn ich kam abends müde nach Hause, erholte mich ein bisschen und musste mich dann auch schon für den nächsten langen Arbeitstag vorbereiten. Jedoch hatte ich am Wochenende ganz viel Zeit für mich und konnte mich ganz darauf konzentrieren, England zu erkunden und Spaß zu haben. Meine Gastmutter schloss ich bereits nach den ersten Tagen ins Herz und wir kamen super miteinander klar. Ich unternahm fast jedes Wochenende etwas mit ihr und ich habe bis heute regel­mäßigen Kontakt zu ihr. Sie zeigte mir viele schöne Ecken in und um Manchester herum und plötzlich bekam ich ein ganz anderes Bild von England. Obwohl Deutschland sich in meinen Augen nicht wirklich von England unter­scheidet, habe ich in dieser kurzen Zeit viel gesehen und viel erlebt.

Lebens­haltungs­kosten

Ich wusste, dass England im Vergleich zu Deutschland relativ teuer ist, dennoch habe ich mich nicht gestresst und mir keinen Kopf drum gemacht. Nach meinem ersten Einkauf in einem Supermarkt war ich erstaunt, wie teuer das Leben in England tat­sächlich sein kann. Ich war glücklich und dankbar, dass mein Unternehmen meine Miete und mein monatliches Busticket zahlte. Somit kam ich mit der Erasmus-Förderung und der finanziellen Unter­stützung meiner Eltern ganz gut zurecht, obwohl ich fast jedes Wochenende etwas unternahm und oft shoppen ging.

Fazit

Anfangs hatte ich das Gefühl, die fünf Monate seien unendlich, doch im Rückblick war ich erstaunt, wie die Zeit verflog und wie kurz fünf Monate tat­sächlich sein können. Vielleicht klingt England für den einen oder anderen uninteressant, doch England ist wirklich alles andere als uninteressant und monoton. Ich persönlich fand es schön, viele neue und vor allem unter­schiedliche Menschen kennen­zulernen und einen Blick in ihr Leben werfen zu dürfen. Egal ob es negative oder positive Erfahrungen waren, man nimmt wirklich viel mit und weiß manchmal vieles, was man zuvor nicht zu schätzen wusste, zu schätzen.

Ich bereue es auf keinen Fall und kann es wirklich jedem ans Herz legen, ein Praktikum zu absolvieren, um auch die Praxis und somit das "wahre Arbeits­leben" kennen zu lernen. Natürlich war es ab und an anstrengend, fünfmal die Woche mindestens acht Stunden zu arbeiten, doch dafür konnte ich mich am Wochenende auf nichts anderes als auf meine Freizeit konzentrieren und England erkunden. Ich bereue wirklich nichts und bin glücklich darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Mein Tipp: Ich empfehle, sich rechtzeitig um einen Praktikums­platz zu bewerben und die Suche nicht zu unter­schätzen. Wenn man die Möglich­keit hat, sollte man auf jeden Fall die Erasmus-Förderung in Anspruch nehmen, denn England ist leider nicht gerade günstig.

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