Studium in Südafrika

Von Christian Splinter (2012)

Ein lang­wieriger und manchmal anstrengender Teil des Auslands­semesters hat bereits in Deutschland statt­gefunden - die Vor­bereitungen. Hatte ich mich anfangs noch für ein Praktikum ent­schieden, änderte ich nach einiger Zeit doch noch einmal meine Meinung und entschied mich für ein Studium an der Nordwest-Universität (NWU) in Südafrika.

Vor­bereitungen

Diese Universität hat insgesamt drei Standorte, wobei sich die sprach­wissen­schaftliche Fakultät auf dem Vaal-Triangle-Campus befindet. Als ersten Schritt habe ich mich an die Studien­gangsleiterin gewandt und ihr mitgeteilt, dass ich mich für ein Studium an der NWU ent­schieden habe.

Damit musste ich mich im Prinzip nicht mehr wirklich bewerben, da die beiden Hochschulen eine Vereinbarung haben, nach der die NWU jedes Jahr einen Studierenden der FH Flensburg zum Studium aufnimmt. Da ich darüber hinaus auch der einzige Studierende war, der sich in diesem Jahr für diese Universität entschieden hatte, wurde mir sehr bald mitgeteilt, dass ich, sofern ich die Bedingungen für das Auslands­semester erfülle, das Studium in Südafrika antreten dürfe.

Als nächstes folgte die Kontakt­aufnahme mit der NWU, genauer gesagt dem Inter­national Office, um alle Formalitäten zu klären. Hierzu gehörten die Bewerbung zum Studium, das Besorgen einer Unterkunft und ähnliche Dinge.

Während dieses Prozesses wurde ich auch darauf hingewiesen, mich möglichst schnell um mein Visum zu kümmern. Da dieser Auslands­aufenthalt mehr als 90 Tage andauern würde, war es mit einem Touristen­visum natürlich nicht getan und ich musste mich für ein Studenten­visum bewerben. Dies war mit recht viel Aufwand verbunden, da man zu verschiedenen Ärzten gehen musste, um sich impfen und röntgen zu lassen und Bescheinigungen einzuholen.

Des Weiteren sind die finanziellen Voraus­setzungen nicht klar definiert; der Bewerber muss ein bestimmtes Vermögen vorweisen können, die genaue Höhe wird einem allerdings nicht mitgeteilt. Außerdem muss eine Art Kaution hinterlegt werden. Ich wurde zwar auf eine Bearbeitungs­zeit von sechs bis acht Wochen vorbereitet, der Reisepass (diesen musste ich mir vorher natürlich auch noch ausstellen lassen) kam allerdings schon nach weniger als einer Woche mit gültigem Visum per Post bei mir an. Anschließend gab es nur noch relativ einfache Dinge zu erledigen - Prüfungen schreiben (und bestehen), die Wohnung und den Telefon­anschluss kündigen, einen Nachsende­auftrag bei der Post abgeben, aus der Wohnung ausziehen und Koffer packen. Somit konnte es nach Südafrika gehen...

Unterkunft

Die Unter­bringung in Vanderbijlpark, der Stadt, in der sich der Campus befindet, wurde durch das Inter­national Office organisiert. Das Zimmer befand sich in einem der Studenten­häuser auf dem Campus. Somit waren die Wege von zu Hause zu den Vorlesungen und zurück denkbar kurz. Der Zustand und die Ausstattung der Wohnung sind als gut zu bezeichnen. Es war zwar kein Herd vorhanden, aber als Austausch­student hatte man immerhin den Vorteil, seinen Kühl­schrank, Besteck etc. nicht selbst mitbringen zu müssen.

Die Häuser sind allerdings nicht mit deutschen Standards zu vergleichen. Ich kam im süd­afrikanischen Winter an und dem­entsprechend kalt war es, auch wenn man es sich als Außen­stehender nicht so recht vorstellen kann. Nachts lagen die Temperaturen unter dem Gefrier­punkt, die Hauswände allerdings waren nicht isoliert, es gab keine Tür­dichtungen und zum Heizen war lediglich ein kleiner Heiz­strahler vorhanden.

Anfangs wohnte ich allein in einer Zwei­zimmer­wohnung in einem Haus mit sechs Wohnungen; lediglich in der letzten Woche bekam ich einen Mitbewohner. In der monatlichen Miete von rund 150€ war auch der Zugang zum drahtlosen Netzwerk der Universität und somit dem Internet enthalten. Dieses ist allerdings sehr unzuverlässig, was gerade die Benutzung von Skype, was zur Kommunikation mit der Familie und Freunden fast unerlässlich ist, sehr nerven­raubend machen kann.

Studium

Der 16. Juli war mein erster Tag als Student an der NWU und damit musste ich mit dem Studien­gangskoordinator meinen genauen Stundenplan festlegen, der aus drei Modulen und einem begleitenden Praktikum bestand.

Das Modul Language Practice 321 behandelte die Printmedien in Südafrika. Zu diesem Zweck wurden unter anderem das Redigieren, Übersetzen und Korrektur­lesen von Büchern, Zeitungen und Zeit­schriften sowie organisatorische Prozesse behandelt. Dieses Modul war, wie die beiden anderen auch, komplett auf Englisch, einer der 11 süd­afrikanischen Amts­sprachen. Ergänzend zu den Vorlesungen mussten regel­mäßig Aufsätze geschrieben und Aufgaben (Über­setzungen etc.) abgegeben werden.

Das zweite Modul war Language Practice 322. Hier ging es um audio­visuelle Medien, also Unter­titelung, Synchronisation etc., und Dolmetschen. Während die Vorlesungen zu audio­visuellen Medien zu etwa gleichen Teilen aus theoretischen und praktischen Inhalten bestand, war das Dolmetschen fast aus­schließlich theoretischer Natur. Das dritte Modul, Communications 326, behandelte den Einsatz von multi­medialen Inhalten zu journalistischen Zwecken. Hierzu wurden den Studierenden die Programme Adobe Flash Professional und Adobe InDesign nahe­gebracht, um das Modul mit einem großen Projekt abzu­schließen, zu dem diese Programme vonnöten waren.

Generell kann man sagen, dass das Studium an der NWU deutlich mehr Vor- und Nachbereitungs­zeit mit sich bringt als das an der FH Flensburg. Es müssen während und außerhalb der Vorlesungen häufig größere Aufgaben erledigt werden, außerdem musste viel Zeit mit Lesen verbracht werden. Diese Leistungen werden am Ende des Semesters mit den Prüfungs­leistungen verrechnet, woraus sich die Gesamtnote in Prozent ergibt. Darüber hinaus fließen auch Dinge wie Anwesenheit und Mitarbeit in die "participation mark“ genannte Mitarbeits­note ein. Auch in der Form der Prüfungen unter­scheidet sich die NWU von der FH Flensburg. Während in den Klausuren der FH Flensburg das angeeignete Wissen vor allem angewendet wird, muss es an der NWU zu einem großen Teil lediglich nieder­geschrieben werden, was meines Erachtens recht praxisfern ist.

Alltag und Freizeit

Den Alltag vernünftig zu gestalten, war meines Erachtens relativ schwierig, da sich der Vaal-Triangle-Campus sehr weit abseits befindet. Außerdem wird empfohlen, den Campus, der mit Zäunen gesichert und nur durch mit Sicherheits­kräften ausgestatten Toren betreten werden kann, nicht zu Fuß zu verlassen, da die Kriminalitäts­rate recht hoch ist, was allerdings ein allgemeines Problem in Südafrika darstellt. Somit muss auch für den einfachen Einkauf immer jemand zur Verfügung stehen, der einem mit dem Auto zum nächsten Supermarkt oder einem anderen Ziel fährt. Auf dem Campus selbst befinden sich ein Fitness­center, Cricket-, Netball-, Hockey- und Rugbyfelder. Somit kann man sich zumindest sportlich betätigen. Außerdem leben auf dem Campus viele verschiedene Tiere, die man beobachten und foto­grafieren kann.

Zeit mit Kommilitonen zu verbringen war meines Erachtens recht schwierig, da so gut wie niemand aus meinen Modulen auf dem Campus lebte; die meisten wohnten sogar sehr weit weg. Wenn sich die Gelegenheit ergab, zum Beispiel durch ein langes Wochenende oder Ferien, habe ich das Land erkundet. Somit war ich in den drei größten Städten Südafrikas (Kapstadt, Johannes­burg und Durban), und habe einige National­parks und Resorts besucht. Dabei wurde einem jedoch der mangelnde öffent­liche Personen­nahverkehr bewusst. Somit musste man sich zu vielen Zielen ein Taxi nehmen, was je nach Ort auch recht schnell teuer werden konnte.

Lebens­haltungs­kosten

Da Internet, Elektrizität und Wasser in der Miete inbegriffen waren, kann ich keine Aussagen über diese Kosten treffen. Allerdings weiß ich, dass, ins­besondere in Hinblick auf die niedrigen Geschwindig­keiten und die geringe Zuverlässig­keit, gerade das Internet unverhältnis­mäßig teuer ist. Worüber ich sehr überrascht war, sind die Lebensmittel­preise. Im normalen Supermarkt war ein normaler Einkauf für mich in etwa doppelt so teuer wie in Deutschland. Andere Dinge, wie zum Beispiel bestimmte Taxen, Eintritts­preise oder die Gebühren fürs Fitness­center, waren sehr gering.

Fazit

Das Studium an der NWU war eine recht interessante Erfahrung, bei der ich zahlreiche Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennen­gelernt habe. Diese waren meist sehr gast­freundlich und hilfreich. Auch waren die Inhalte der Vorlesungen lehrreich und für die Zukunft wertvoll. Das allgemeine Leben in Südafrika wäre aber auf Dauer nichts für mich, da man hier alles sehr gemächlich angeht. Diese Einstellung zieht sich leider durch sämtliche Lebens­bereiche. Außerdem ist der Campus leider sehr abseits gelegen und öffent­licher Personen­nahverkehr im Prinzip nicht vorhanden.

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Bild: Campus

 

Bild: Tafelberg in Kapstadt

 

Bild: Robben

 

Bild: Rugby-Spiel

 

Bild: Affe

 

Bild: Antilope

 

Bild: Strandbucht