Studium in Australien

Von Maj-Britt Grelk (2012)

Die Frage, in welchem Land ich mein Auslands­semester machen würde, musste ich mir gar nicht stellen. Australien war schon immer mein Traumland, und mein Aufenthalt 2009-2010 hat mir schon einmal bestätigt, dass dieses Land perfekt für mich ist. Ist es denn aber nun auch perfekt zum Leben? Und genau diese Frage zu beantworten, war meine Mission!!!

Vor­bereitungen

Die Vor­bereitungen für mein Auslands­semester haben rechtzeitig, ungefähr fast ein Jahr zuvor begonnen. Mehrere Informationsveranstaltungen der Fach­hochschule haben mich auf meinen Auslands­aufenthalt vorbereitet. Meine Dozentin hat mir bei der gesamten Organisation und Bewerbung an der Gast­hoch­schule geholfen. Des weiteren besuchte Liani Eckert vom Inter­national Office der University of the Sunshine Coast meine Fach­hochschule und stellte ihre Universität vor. Nach dem Vortrag trat ich direkt in Kontakt mit ihr und konnte ihr jederzeit E-Mails zusenden, sobald Fragen aufkamen.

Da ich jedoch die erste Studierende des Studien­gangs Inter­nationale Fach­kommunikation war, die an der USC Australia studieren wollte, war ich quasi Pionier und setzte mich daher selbst sehr viel mit dem fremden System, den Kursen, Visa­bedingungen, Anträgen etc. auseinander und fand letzte Antworten erst vor Ort.

Unterkunft

Bevor ich meine Reise antrat, habe ich mich über verschiedene Unterkunfts­möglichkeiten informiert, aber nichts Konkretes gebucht bzw. organisiert, da ich mir verschiedene Möglich­keiten offen halten wollte und mir vor Ort einen Überblick über die Wohnungs­situation verschaffen wollte. Die Universität hatte mir zuvor per E-Mail einen Prospekt zugeschickt, welcher mir reichlich Informationen über das Leben auf dem Campus, in Gast­familien oder bei Leuten, die ein Zimmer vermieten, gaben. Letzt­endlich habe ich Preise, Lage, Transport und grund­sätzliche Vor- und Nachteile verglichen.

Leben in einer Gastfamilie: zu teuer. Man bezahlt meist für Essen und Unterkunft (ca. 220 Dollar pro Woche).

Leben auf dem Campus: zu viele Nachteile, zu teuer (180 Dollar pro Woche), Lage im Hinterland und über 20 Busminuten vom Strand entfernt, zu viele inter­nationale Studenten, bekannt als reines „Partydorf“. Positiv dagegen: Stellt euch einfach eine Ferien­anlage vor mit Pool, Terrassen, Gemein­schaftsraum etc. So schaut es dort aus.

Meine Unterkunft: Nach wenigen Tagen in einem Hostel bin ich bei einer Australierin in ein 4-Zimmer-Haus eingezogen. So wurde die erste Besichtigung letzt­endlich mein neues Zuhause. Meine Mitbewohner kamen aus Chile und Australien, ich kommunizierte somit nur auf Englisch, was natürlich auch die Absicht meines Aufenthaltes war. Ich hatte ein eigenes möbliertes Zimmer und teilte mir ein Badezimmer mit meinem Mitbewohner aus Chile. Die Australierin betonte mehrmals, dass ich nicht nur für das Zimmer bezahle, sondern dass ich das ganze Haus wie mein eigenes benutzen kann, die Terrasse und den Garten. Einkaufs­möglichkeiten waren zwei Straßen weiter, und der Bus zur Universität hielt nur 50 Meter von meiner Haustür entfernt.

Studium an der Gast­hoch­schule

Ich hatte keine konkreten Vorstellungen oder Erwartungen, bevor ich tat­sächlich anfing, zu studieren. Die verschiedenen Kurse waren interessant und ich war sehr gespannt, was mich letzt­endlich erwartet. Ich musste vier Kurse wählen, um die benötigten Credit Points zu erhalten. Es war über­raschend für mich, wie unter­schiedlich Studien­systeme sein können. Studieren in Australien ist anders als ein Studium in Deutschland. Um einige Unter­schiede einmal aufzulisten:

  • Es gibt Vorlesungen, die von Professoren gehalten werden und meist sehr theoretisch sind. Tutorien im Anschluss werden von „Dozenten“ gehalten, in denen Aufgaben verteilt werden und wichtige Informationen mitgeteilt werden.
  • Das Verhältnis zwischen Studierenden und Professoren ist deutlich vertrauter, offener, freund­schaft­licher.
  • Das Prüfungs­system ist anders. Es gibt in Australien keine großen Semester­abschluss­prüfungen wie in Deutschland. Es müssen meist mehrere Haus­arbeiten während des Semesters abgegeben werden und am Ende findet nur manchmal noch eine Prüfung statt.
  • Vorlesungen und Tutorien sind nicht verpflichtend, es ist den Studierenden selber überlassen, ob sie zur Universität kommen oder nicht. Die meisten Vorlesungen werden zudem aufge­zeichnet, sodass diese im Internet angehört und nach­vollzogen werden können.
  • Des weiteren werden Power-Point Präsentationen immer im Internet hochgeladen und für die Studierenden zur Verfügung gestellt

Alltag und Freizeit

Nach einer intensiven Orientierungswoche begann für mich der Alltag. Ich konnte mich ohne Probleme integrieren. Schnell merkte ich, dass dieses Leben perfekt für mich ist. Ich fühlte mich nach wenigen Wochen wie zu Hause.

Ich hatte keinerlei Probleme, neue Menschen kennen­zulernen und das Lernsystem dieser Universität zu verstehen. Ich hatte weniger Vorlesungen, jedoch musste ich regel­mäßig Aufgaben zuhause erledigen, um die Haus­arbeiten schreiben zu können. Ich erlebte jeden Tag neue Abenteuer und unternahm viel mit Freunden. Meistens ging ich an den Strand, probierte Surfen aus, erkundete die Region, und am Abend traf ich mich mit Leuten zum BBQ oder ging in eine Strandbar oder an die Esplanade, um Köstlich­keiten der asiatischen Küche zu genießen.

Am Wochenende setzte sich das Strand­programm fort, ich nahm die eine oder andere Studenten­party mit, oder es gab bei uns zu Hause Dinner und Latino­parties. Mit meinen Mit­bewohnern wurde es nie langweilig.

Ich kann gar nicht aufhören zu schwärmen und aufzuzählen, was ich alles Tolles unternommen habe. Meine besten Freundinnen sind Australier und zwei Mädchen aus Kambodscha.

Lebens­haltungs­kosten

Die Lebens­haltungs­kosten in Australien belaufen sich auf das Dreifache im Vergleich zu denen in Deutschland. Dies war eine kleine Dunkel­kammer, da man jeden Cent umdrehen musste. Ich konnte mir daher nur die nötigsten Dinge leisten. Da Australien zum Beispiel keine Früchte oder Gemüse importiert, sind die Preise immer von der aktuellen Wetterlage und der Ernte in der Region abhängig. Daher schwanken die Kosten wöchent­lich.

Typische Preise sind z.B.: Tomaten 7 Dollar/Kilo, Bananen 4 Dollar/Kilo, Melonen 3 Dollar/Kilo, Eisberg­salat 3 Dollar/Stück, Mangos 6 Dollar/Kilo, Mineral­wasser 1 Dollar/Liter (deshalb gab es meist chlor­haltiges Leitungs­wasser für mich).

Dies sind nur einige der aktuellen Preise. Meine Miete beträgt ebenfalls das Dreifache im Vergleich zu dem, was ich in Deutschland bezahlt habe. Bustransfer ist ebenfalls nicht umsonst für Studenten. Ich hatte eine Ermäßigungs­karte, musste jedoch jede Fahrt einzeln bezahlen.

Fazit

Während meines Aufenthaltes gab es für mich fast nur positive Erfahrungen. Ich habe versucht, selbst den etwas negativeren Momenten etwas Gutes abzu­gewinnen. Zwei Kurse, die ich belegte, entsprachen nicht ganz meinen Vorstellungen, jedoch habe ich diese regel­mäßig besucht und die Prüfungen absolviert. Gruppen­arbeit mit Australiern war eine wahre Heraus­forderung, da wir grund­sätzlich in Deutschland deutlich höhere Ansprüche an Gruppen­arbeit und Präsentationen haben. In diesen Momenten wurden die kulturellen Unter­schiede deutlich.

Ich musste versuchen Kompromisse einzugehen, was allerdings den Australiern deutlich schwerer fiel. So wurde ich zur „Schweiz“ und regelrecht von allen Seiten bombardiert, wenn sich vor allem die Australier mit der Amerikanerin in unserer Gruppe in die Wolle bekamen. Zum Glück war mein Englisch so gut, dass ich beide Seiten verstehen konnte, denn die haben eigentlich immer vergessen, dass Englisch eine Fremd­sprache für mich war. So wurde ich teilweise zur Hobby­psychologin, um die Gemüter zu beruhigen und weiter­arbeiten zu können.

Die beste Erfahrung ist für mich alles. Ich fühlte mich zu Hause, habe Freund­schaften bzw. eine zweite Familie für das Leben gewonnen, spreche die englische Sprache noch besser als zuvor, schwärme mittler­weile für die asiatische Küche und weiß ganz sicher, dass ich so schnell wie es geht wieder zurück nach Down Under möchte, um dann dort für einige Zeit zu leben und zu arbeiten.

In einem fremden Land zu leben und sich in einer fremden Sprache zu verständigen macht das Leben so viel spannender und interessanter. Mir fällt es inzwischen schon fast schwer, Deutsch zu sprechen, ohne eine Art „Denglisch“ zu produzieren. Daher kann ich nur jedem ans Herz legen, sich so eine Chance nicht entgehen zu lassen.

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Bild: Weg zum Strand

 

Bild: Bücherei

 

Bild: Uni

 

Bild: Einführungswoche

 

Bild: Strand vor der Haustür

 

Bild: Studieren

 

Bild: Asian dinner party